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Jailson Cruz Carvalho, 34 Jahre, ist der 
Vorsitzende von "Dar as Mãos". Er ist Lehrer von Beruf, und seit Dezember 2013 der Ortsvorsteher von Tarrafal. Das Thema Bildung liegt ihm besonders am Herzen.

 

von Annette Helle

Annette: Warum ist es wichtig, in Bildung zu investieren?

Jailson: Zum einen ist Bildung die Basis für ein geregeltes Einkommen und den täglichen Lebensunterhalt. Früher gab es in Tarrafal zwei berufliche Optionen: Fischer oder Bauer. Heute gibt es viele weitere Möglichkeiten und Berufe, die zur Auswahl stehen – wenn man die entsprechende Ausbildung machen kann. Dies eröffnet ganz andere Wünsche und Visionen, es weckt Ehrgeiz und schafft Perspektiven. Heutzutage antwortet nicht mehr die eine Hälfte der Kinder „Fischen“, und die andere „Landwirtschaft“, wenn man fragt, was sie einmal arbeiten wollen. Zum anderen bietet ein höherer Bildungsstandard die Fähigkeit zum besseren gesellschaftlichen Umgang miteinander und zur gesellschaftlichen Entwicklung. Man kann zum Beispiel Konflikte besser lösen! Und natürlich profitiert die Gemeinschaft davon, wenn es Lehrer, Sanitäter, Handwerker und Geschäftsleute im Ort gibt.

Annette: Welche Möglichkeiten zur Schulbildung gibt es in Tarrafal?

Jailson: In Tarrafal können die Kinder zur Grundschule gehen, also die 1. bis 6. Klasse besuchen. Um danach das Gymnasium zu besuchen, müssen sie auf die andere Seite der Insel nach Ribeira das Patas, Porto Novo, Ribeira Grande oder sogar auf die Nachbarinsel São Vicente umziehen. Dort wohnen sie in der Regel bei Familienangehörigen oder befreundeten Familien - es ist zu weit, um täglich hin- und herzufahren. In Porto Novo gibt es inzwischen auch ein Internat für Schüler, die keine Verwandten in der Nähe haben. Nach Abschluß der 12. Klasse des Gymnasiums besteht die Möglichkeit, ein Studium aufnehmen. Es gibt auf Kapverde einige private Hochschulen, und seit 2006 auch eine staatliche Universität mit Zweigstellen in Praia und Mindelo.

Annette: Wieviele Grundschüler gibt es in Tarrafal?

Jailson: Wir haben zwei Grundschulen, eine im Hauptort, und eine im Ortsteil Covão oben auf dem Berg. Zur Zeit sind es 82 Grundschüler insgesamt. Ein Teil geht vormittags, und ein Teil nachmittags zum Unterricht. Unterrichtet werden sie von insgesamt sieben Lehrern.

Annette: Welche Fächer werden unterrichtet? Und wie sieht der Schulalltag aus?

Jailson: Unterrichtet werden Portugiesisch, Mathematik, Wissenschaft, Sport, Musik, Kunst und Bürgerkunde. Schulbeginn ist um acht, um zehn Uhr gibt es für die Vormittagsschüler eine Mahlzeit, und dann folgen zwei weitere Stunden Unterricht bis um halb eins. Die Nachmittagsschüler kommen um 13 Uhr, essen um 15 Uhr, und haben dann Unterricht bis 17.30 Uhr.

Annette: Was gibt es als Mahlzeit für die Schüler? Müssen sie dafür bezahlen?

Jailson: Es ist immer eine warme Mahlzeit. Die Regierung versorgt die Schule mit Reis, Nudeln, Öl, Bohnen, Mehl, Milch und Gas zum Kochen. Gemüse, Fisch und anderes müssen wir selbst beschaffen. Die Schüler selbst zahlen pro Monat 50 Escudos.

Annette: Was kostet der Grundschulbesuch insgesamt?

Jailson: 500 Escudos für das Verpflegung, 450 Escudos für die Trimester-Prüfungen, 1000 Escudos für die Schuluniform, und etwa 1500 Escudos für Bücher, Hefte und Schulmaterial. Dann kommen noch zwei große Schulfeste: am Tag des Kindes und zum Schulabschluß. Daran beteiligen sich die Schüler mit je 100 Escudos. Insgesamt kommen also 3650 Escudos, umgerechnet etwa 35 Euro für ein Schuljahr zusammen.


Annette:
Und was kostet der Besuch des Gymnasiums?

Jailson: Das ist drei- bis viermal so teuer. Die Eltern der Schüler bezahlen je nach Einkommen – 1500, 3000 oder 9000 Escudos pro Jahr. Dazu kommen die Kosten für die Uniform sowie Sportkleidung, Bücher und Schulmaterial – insgesamt noch einmal etwa 5000 Escudos. Im Laufe des Schuljahres kommen dann noch zahlreiche Fotokopien dazu, und nicht zu vergessen: die Unterbringung außerhalb des Elternhauses. Wer keine Verwandten, oä in Schulnähe hat, muß tief in die Tasche greifen: das Internat kostet pro Monat 6000-8000 Escudos. Das ist allerdings die Ausnahme, die meisten Schüler wohnen bei Familienangehörigen.

Annette: Wieviele Kinder aus Tarrafal besuchen woanders ein Gymnasium?

Jailson: Fünfzehn. Die meisten gehen in Porto Novo zur Schule, danach folgt Ribeira das Patas, dann Mindelo (São Vicente), dann Ribeira Grande.

Annette: Bei rund 1000 Einwohnern hat Tarrafal 82 Grundschüler und 15 Gymnasiasten. Das klingt vielversprechend…

Jailson: Ja, wir haben viele schlaue Köpfe hier. Aus Tarrafal kommen ein Richter des Obersten Gerichtshofs in Praia, einige Ärzte, und eine ganze Reihe Krankenpfleger, Steuerberater, Lehrer, Computerspezialisten, selbständige Unternehmer, etc. Zweimal in denletzten Jahren haben Schüler aus Tarrafal den kapverdischen Mathematikwettbewerb gewonnen, und auch zwei ganz berühmte Fußballspieler Kapverdes stammen von hier: Rolando und Vandi. Wir haben sehr viel Potential...


Annette:
Du selbst bist in Tarrafal geboren, hast eine Ausbildung in Mindelo gemacht, und bist dann nach Tarrafal zurückgekehrt. Ist das die Regel?

Jailson: Nein. Die meisten bleiben woanders wohnen. Tarrafal ist sehr abgelegen und bietet nicht die Vorteile einer Stadt, und es gibt für qualifizierte Kräfte noch nicht genug Arbeitsstellen.   

Annette: Arbeitest Du noch als Lehrer?

Jailson: Zur Zeit nicht. Ich habe neun Jahre lang an der Grundschule in Tarrafal unterrichtet und kann mir gut vorstellen, wieder in diesen Beruf zurückzukehren. Die Arbeit als Ortsvorsteher lässt das im Moment allerdings nicht zu. Aber zweimal in der Woche gebe ich Informatikunterricht, denn ich halte Computerkenntnisse für die Basis einer höheren Bildung und außerordentlich wichtig.

Annette: Wie können Außenstehende helfen?

Jailson: Was wir vor allem brauchen, ist finanzielle Unterstützung. Das kann eine Schülerpatenschaft für einen Grundschüler oder Gymnasiasten sein, oder die Beteiligung an einem Studienstipendium. Sie können auch der Schule eine Lebensmittelspende zukommen lassen, oder zum Beispiel einem Gymnasiasten einen Computer schenken. Jeder Beitrag ist höchst willkommen.


Annette:
Wie läuft das ab?

Jailson: Auf unserer website www.damtarrafal.com gibt es ein Formular namens „Bildungsförderung“. Dort trägt man ein, welche Form der Unterstützung man leisten möchte, und überweist den entsprechenden Betrag auf unser Konto. Wir bezahlen dann den Schulbeitrag und die benötigten Materialien für einen von uns ausgewählten Schüler.

Annette: Wer kommt in den Genuß einer finanziellen Förderung, und nach welchen Kriterien wird das entschieden?

Jailson: Wir unterstützen nur Schüler aus Familien, die nicht über genug Geld verfügen, um die Ausbildung ihrer Kinder alleine zu bezahlen. Die weiteren Kriterien sind die Motivation des Schülers, also der ausgesprochene Wunsch zu lernen, und natürlich die entsprechenden geistigen Fähigkeiten. Wir wählen die Kandidaten nach Absprache mit den Lehrern aus, und beobachten im Laufe der Zeit ihren Lernerfolg.

Annette: Was soll diese Art der Förderung erreichen?

Jailson: Es ist eine Art Hilfe zur Selbsthilfe. In Kapverde halten die Familien sehr stark zusammen. Die älteren Kinder, die die Schule bereits abgeschlossen haben, tragen oft zum Familieneinkommen bei und helfen dabei, den jüngeren den Schulbesuch zu ermöglichen. Deshalb ist letztendlich nicht nur dem einzelnen Schüler, sondern meistens der ganzen Familie geholfen.

Sponsoren

Ambitech, Lda

ambitech

Ambitech, Lda widmet sich der Wiederverwertung von Tinten- und Tonerpatronen für Drucker, Faxgeräte und Fotokopierer.

Darüber hinaus bieten wir: Reparatur von Informatik-Zubehör, technische Assistenz, Erstellen von Websites, Verkauf und Assistenz von/für Computerprogrammen und -zubehör. Diese Website wurde für DaM von Ambitech, Lda. entworfen.

 

Mar Tranquilidade

martranq

Das Gästehaus Mar Tranquilidade in Tarrafal de Monte Trigo eröffnete im Oktober 1999.

Es liegt direkt am Atlantik, und der abendliche "sundowner" mit Blick auf den Sonnenuntergang ist legendär. Gemütliche Bungalows mit Strohdach und schattige Terrassen unter Akazien laden zum Entspannen und Erholen ein. Das Mar Tranquilidade beteiligte sich an den Reisekosten zur Erstellung der Studie zu den akuten Notwendigkeiten der Bewohner Tarrafals, und gewährte Rabatte für Mitstreiter von DaM.

 

Jeanine Vahldiek Band

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Jeanine Vahldiek und Steffen Haß sind die „Jeanine Vahldiek Band“.

Ihre Musik, die von Jeanines 2,10 m hoher Konzertharfe, und Steffens vielfältigen percussion-Instrumenten geprägt ist, kann man live im Konzert, im Internet, oder auf CD´s anhören. Mit der im Dezember 2014 veröffentlichten 3. CD „Blank Canvas“ und ihrer 4. CD "no hardship" unterstützen sie DaM – mit 1 € von jeder verkauften CD!

Cooperações

Smiles

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AMPri

AMPri Logo

AMPri bietet seinen Kunden seit über 20 Jahren über 500 verschiedene Einwegprodukte wie Einmalhandschuhe,

Mundschutz, Kopfhauben, medizinische Einmalartikel, u.v.m für die Bereiche Medizin, Dental, Hygiene, Pflege, Gastronomie, Kosmetik und Arbeitsschutz. Für den Einsatz des Zahnärzteteams von SMILE auf Santo Antão im August 2016 und im August 2017 stellte AMPri die benötigten Einmal-Untersuchungshandschuhe kostenlos zur Verfügung.

 

Aventura

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Seit 2004 bietet die aventura lda. als Vor-Ort-Agentur auf den kapverdischen Inseln touristische Aktivitäten an,

entwickelt und fördert den Tourismus auf den Inseln. Unsere Philosophie basiert auf der Idee des nachhaltigen Tourismus. Wir möchten das Land und vor allem die Menschen darin unterstützen, sich eine Zukunft durch den Tourismus zu gestalten. aventura lda. beteiligte sich an den Reisekosten zur Erstellung der Studie zu den akuten Notwendigkeiten der Bewohner Tarrafals, und hilft bei der Suche nach Flugpaten für gespendete Laptops.

Sodade

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