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Interview mit Dr. Heinz – Oliver Siebelist, August 2016

Annette: Euer Zahnarzt-Team hat 510 Patienten behandelt, und dabei 295 Füllungen gemacht, und 990 Zähne gezogen. Bist Du damit zufrieden?
Oliver: Ja, es ist mehr als ich dachte... Jeder der Zahnärzte hat im Schnitt täglich 15,7 Zähne gezogen und 4,7 Füllungen gemacht. Die Bevölkerung war gut informiert, es sind also viele Leute gekommen, und die Mannschaft hat viel gearbeitet.

Annette: War für Dich Euer Besuch auf Kapverde auch neben den nackten Zahlen zufriedenstellend?
Oliver: Auf jeden Fall! Ich mag die Leute in Cabo Verde sehr, und die Insel bietet viele attraktive Aktivitäten. Wir haben viel Arbeit, und auch viel Spaß gehabt.

Annette: Wer sind die Leute, die mit Dir hierher gereist sind?
Oliver: Unsere "voluntários" (freiwillige Helfer) kamen aus Spanien und Portugal – aus Galizien, Bilbao, Madrid, Barcelona, Sevilla, Mallorca und Ericeira (Portugal). Wir waren eine Gruppe von 6 Frauen und 6 Männern zwischen 25 und 42 Jahren - 3 Kieferchirurgen, 2 Kinderzahnärzte, 1 Kieferorthopäde, 3 Zahnärzte ohne Spezialisierung, und dazu 3 Helferinnen.

Annette: Um so viele Patienten zu untersuchen und zu behandeln, braucht man eine funktionierende Infrastruktur. Habt Ihr alles mitgebracht, was Ihr brauchtet?
Oliver: Ja. Die Instrumente haben wir mitgebracht, die Bohrer, eine UV-Lampe, etc. Auch die Medikamente – Anästhetika, Antibiotika, Schmerzmittel, u.a - hatten wir im Gepäck. Dazu noch Mittel zur Sterilisation, Gebrauchsmaterial wie Mundmasken, etc, Zahnbürsten zum Verteilen, usw – da kam ganz schön was zusammen... Einen Teil davon haben wir schon zuvor mit der Post geschickt, und den Rest persönlich mitgebracht. Jeder der "Freiwilligen" hatte auch Arbeitsmaterial im Gepäck. Und einen Kompressor habe ich in Mindelo gekauft.

Annette: Hat mit dem Transport der Ausrüstung alles problemlos geklappt?
Oliver: Nicht ganz. Das vorausgeschickte Paket hing bis zum letzten Tag im Zoll fest, und zwei Taschen mit Arbeitsausstattung, die wir auf dem Flug dabei hatten, waren zunächst verschwunden, und dann konnten wir sie bei der Flughafenpolizei auslösen. Aber letztendlich haben wir alles rechtzeitig durch die Kontrollen bekommen.

Annette: War dies Dein erster Arbeitsurlaub in dieser Form?
Oliver: Nein. Ich war schon mit den "Zahnärzten ohne Grenzen" in Madagaskar, in Nepal, Kambodscha und Nicaragua. Dann haben 2015 einige Kollegen und ich unsere eigene Organisation gegründet – SMILES. So können wir die Reisen so gestalten, wie wir es für optimal halten, und Entscheidungen nach unserer eigenen Überzeugung treffen.

Annette: Es ist also die erste Reise mit SMILES. Warum habt Ihr gerade Kapverde ausgewählt?
Oliver: Ich wollte Cabo Verde wegen den tollen Wellen zum Surfen schon immer mal besuchen. Bei meinem ersten Besuch dort habe ich dann gesehen, daß die zahnmedizinische Versorgung oft mangelhaft ist. Für die Arbeitsreisen mit freiwilligen Helfern ist es auch wichtig, daß es ein stabiles politisches System, sowie wenige Krankheiten wie Malaria, Dengue, usw. gibt.

Annette: Was kannst Du zum Zustand der Zähne der Menschen sagen, die Du hier zu sehen bekommen hast?
Oliver: Der "Karies-Index" ist nicht so hoch wie in Europa, da in ihn auch Füllungen einbezogen werden, und davon gibt es hier nur wenige. Es wird weniger Zucker konsumiert, deshalb ist der Zustand im allgemeinen besser. Das Problem ist, daß die kariösen Zähne nicht behandelt werden, und sich dann der Zustand rapide verschlechtert. Eine spezielle Situation gibt es in Monte Trigo; dort ist der Flouridgehalt des Wassers extrem hoch. Dies führt zu Zahnschäden durch Demineralisation und braunen Flecken.

Annette: Gibt es etwas spezielles an kapverdischen Patienten?
Oliver: Ja, sie sind sehr wehleidig, sie wollen sofort eine Tablette bekommen, und die soll dann gegen alles helfen. Das funktioniert aber nicht, die Tablette kann nur die Schmerzen, also die Symptome, bekämpfen. Viele Patienten würden am liebsten aber nur Tabletten nehmen, und das war´s dann.

Annette: Manchen Patienten habt Ihr vier oder sogar fünf Zähne gezogen. Wie können die Leute denn anschließend noch kauen?
Oliver: Ja, eine harte Brotkruste ist dann ein Problem. Zum Glück essen die Leute hier am meisten Gemüse, Fisch und Eintöpfe, etc. Mit härteren Speisen gäbe es vielleicht Probleme. Doch es ist gar keine Frage, ob solch kaputte Zähne gezogen werden sollen, oder nicht. Kauen und beißen kann man auch mit verfaulten Zähnen nicht, und sie sind akute Entzündungsherde. Sie beeinträchtigen den ganzen Körper. Diese Zähne müssen raus, da gibt es gar keine Alternative.

Annette: Wann habt Ihr Euch für Füllungen entschieden?
Oliver: Wenn die Zähne noch zu retten waren, und eine Aussicht zum Erhalt derselben gegeben war. Wir haben sowohl bei Erwachsenen, als auch bei Kindern Füllungen gemacht; gerade bei Kindern ist es wichtig, die Zähne so weit wie möglich zu erhalten. Aber ich habe auch viele Fälle gesehen, wo die Zähne der Kinder schon in einem so schlechten Zustand waren, daß quasi nichts mehr zum Füllen vorhanden war.

Annette: Woran liegt das?
Oliver: Mangelnde Zahnhygiene zum einen – ganz klar gibt es viele Leute, auch viele Kinder, die sich nicht regelmässig oder gar nicht die Zähne putzen. Zum anderen schadet Zucker den Menschen hier viel mehr als uns in Europa. Unser Körper und damit auch unser Gebiß haben sich im Laufe der langen Zeit, seitdem wir Zucker konsumieren, an diesen Stoff gewöhnt. Wo das nicht passiert ist, hat ein zu hoher Zuckerkonsum katastrophale Auswirkungen auf die Zahngesundheit.

Annette: Habt Ihr den Leuten das erklären können?
Oliver: Wir haben es versucht, aber ob das angekommen und wirklich verstanden wurde, weiß ich nicht. Für jemanden, der darüber noch nichts gehört hat, ist es schwer zu verstehen, warum Zucker plötzlich schlecht sein soll. Und gerade die Kinder lieben natürlich Kekse und Bonbons, und vor allem die süßen Getränke... Die sind am schlimmsten. Viele Leute haben sogar ein richtiges Loch zwischen den oberen Schneidezähnen, vom Strohhalm-Trinken.

Annette: Was könnt Ihr dagegen tun?
Oliver: Wiederkommen (lacht)! Dies wird nicht unser letzter Arbeitseinsatz auf Santo Antão bleiben. Ich möchte gerne noch öfters, am liebsten sogar regelmäßig wiederkommen.

Annette: Was ist denn dann noch zu tun?
Oliver: Es gibt noch mehr als genug zu tun! Erst einmal haben wir nicht alle Bewohner in den sechs Dörfern behandeln können, weil wir meistens nur einen Tag lang dort waren, und vielleicht nicht alle gehört hatten, daß wir kommen, oder selbst nicht kommen konnten, etc. Und es sind ja nicht die einzigen abgelegenen Orte der Insel! Außerdem würde ich auch gerne Prothesen machen, am liebsten würde ich sogar eine Klinik bauen!

Annette: Das hört sich so an, als ob Du schon eine weitere Reise nach Santo Antão im Sinn hast...
Oliver: Ja, mit Sicherheit.

Sponsoren

Ambitech, Lda

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Ambitech, Lda widmet sich der Wiederverwertung von Tinten- und Tonerpatronen für Drucker, Faxgeräte und Fotokopierer.

Darüber hinaus bieten wir: Reparatur von Informatik-Zubehör, technische Assistenz, Erstellen von Websites, Verkauf und Assistenz von/für Computerprogrammen und -zubehör. Diese Website wurde für DaM von Ambitech, Lda. entworfen.

 

Mar Tranquilidade

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Das Gästehaus Mar Tranquilidade in Tarrafal de Monte Trigo eröffnete im Oktober 1999.

Es liegt direkt am Atlantik, und der abendliche "sundowner" mit Blick auf den Sonnenuntergang ist legendär. Gemütliche Bungalows mit Strohdach und schattige Terrassen unter Akazien laden zum Entspannen und Erholen ein. Das Mar Tranquilidade beteiligte sich an den Reisekosten zur Erstellung der Studie zu den akuten Notwendigkeiten der Bewohner Tarrafals, und gewährte Rabatte für Mitstreiter von DaM.

 

Jeanine Vahldiek Band

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Jeanine Vahldiek und Steffen Haß sind die „Jeanine Vahldiek Band“.

Ihre Musik, die von Jeanines 2,10 m hoher Konzertharfe, und Steffens vielfältigen percussion-Instrumenten geprägt ist, kann man live im Konzert, im Internet, oder auf CD´s anhören. Mit der im Dezember 2014 veröffentlichten 3. CD „Blank Canvas“ und ihrer 4. CD "no hardship" unterstützen sie DaM – mit 1 € von jeder verkauften CD!

Cooperações

Smiles

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AMPri

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AMPri bietet seinen Kunden seit über 20 Jahren über 500 verschiedene Einwegprodukte wie Einmalhandschuhe,

Mundschutz, Kopfhauben, medizinische Einmalartikel, u.v.m für die Bereiche Medizin, Dental, Hygiene, Pflege, Gastronomie, Kosmetik und Arbeitsschutz. Für den Einsatz des Zahnärzteteams von SMILE auf Santo Antão im August 2016 und im August 2017 stellte AMPri die benötigten Einmal-Untersuchungshandschuhe kostenlos zur Verfügung.

 

Aventura

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Seit 2004 bietet die aventura lda. als Vor-Ort-Agentur auf den kapverdischen Inseln touristische Aktivitäten an,

entwickelt und fördert den Tourismus auf den Inseln. Unsere Philosophie basiert auf der Idee des nachhaltigen Tourismus. Wir möchten das Land und vor allem die Menschen darin unterstützen, sich eine Zukunft durch den Tourismus zu gestalten. aventura lda. beteiligte sich an den Reisekosten zur Erstellung der Studie zu den akuten Notwendigkeiten der Bewohner Tarrafals, und hilft bei der Suche nach Flugpaten für gespendete Laptops.

Sodade

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