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Martin Peter, 68 Jahre, Doktor der Allgemeinmedizin, arbeitete im März/ April 2015 vier Wochen lang in der Gesundheitsstation in Tarrafal de Monte Trigo.

martin peter

Annette Helle fragte ihn nach seinen  Eindrücken.

Annette: Martin, Du hast gerade einen vierwöchigen Arbeitsurlaub in Tarrafal verbracht. Mit welchem Gefühl fährst Du nach Hause?

Martin: Ich fahre mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Das lachende, weil ich so lange von zuhause und meiner Familie weg war, das weinende, weil ich eine große Wehmut spüre. Es gab viele freudige Begegnungen, ich habe Leute liebgewonnen, ich wurde sehr herzlich aufgenommen und ich weiß, daß ich gerne gesehen war. Der Abschied von den Menschen und vom Dorf fällt mir schwer.

Annette: Was kannzeichnet für Dich das Leben in Tarrafal?

Martin: Die Leute haben unendlich viel Zeit. Sie sind überhaupt gar nicht ungeduldig, zum Beispiel wenn sie vor der Gesundheitsstation lange warten mußten, das finden sie ganz normal. Die Patienten sind völlig ohne Erwartungen oder Forderungen auf mich zugekommen, sie haben sich einfach darüber gefreut, wenn ich sie untersucht oder den Blutdruck kontrolliert habe und ihnen dazu etwas sagen oder ihnen ein Medikament geben konnte. Untereinander sind die Menschen sehr gesprächig, an jeder Ecke wechselt man einen Gruß oder ein paar Worte. Die Arbeit der Leute, z.B. der Fischer oder in der Landwirtschaft, ist mit großer Mühsal verbunden, da müssen die Boote über die Steine geschleppt werden, der Fisch getrocknet, und was nicht alles. Trotzdem habe ich eine gewisse Zufriedenheit und Gelassenheit gespürt. Ich habe eine völlig neue Lebensart kennengelernt.

Annette: Wie sieht es mit der medizinischen Versorgung aus?

Martin: Da unterscheide ich zwei Aspekte: die materielle Infrastruktur, und die personelle Ausstattung. Bei beiden war ich sehr angenehm überrascht, beides hat meine Erwartungen übertroffen. Es standen genug Verbandsstoffe und Medikamente zur Verfügung, insbesondere auch für chronisch Kranke. Es gibt Untersuchungsliegen, Blutdruck- und Diabetesmeßgeräte, usw. Die personelle Besetzung hat mich noch mehr überrascht. Ilídio, der verantwortliche hauptamtliche Sanitäter, ist ein kompetenter und großartiger Mann, er kann fast alles. Er beherrscht die kleine Chirurgie, er zieht Zähne, er legt Braunülen und Infusionen, er macht gynäkologische Untersuchungen, die Vorsorge- und Nachuntersuchungen der Mütter, etc. Es ist wirklich erstaunlich, was er alles kann. Auch Jair, sein Helfer, ist nicht auf den Kopf gefallen, und hat insbesondere in der Diagnostik und Medikamentengabe gut gearbeitet.

Annette: Wie und wo hast Du gearbeitet?

Martin: Zuerst zwei Wochen in der alten Gesundheitsstation, dann zwei Wochen lang in der neu eröffneten, von den Räumlichkeiten her wirklich fabelhaften Gesundheitsstation gegenüber. Und ich habe eine ganze Reihe von Hausbesuchen gemacht, bin unter anderem mit Jair zu Fuß den Berg hochgekraxelt, mit einer Spritze im Gepäck. Die hat dann ein alter Mann, der nicht mehr mobil ist, verabreicht bekommen.

Annette: Was waren die häufigsten Krankheiten und Beschwerden, mit denen Du zu tun hattest?

Martin: Oft waren es Bauchschmerzen, und es gab grippale Symptome, hohen Blutdruck, und auch viele Haut- und parasitäre Erkrankungen.

Annette: Gab es einen schweren oder komplizierten Fall?

Martin: Ja, zwei. Einen jungen Fischer habe ich mit Verdacht auf eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse ins Krankenhaus nach Porto Novo geschickt, und ein  10-jähriges Mädchen mit heftigen Bauchbeschwerden mußte sogar ins Krankenhaus der Nachbarinsel, um dort weitere Untersuchungen machen zu lassen.

Annette: Du bist zu einer Zeit des Umbruchs in Tarrafal gewesen. Was war Dein Eindruck?

Martin: Ich unterscheide zwei Phasen: vor dem Strom und nach dem Strom. Am 30. März stand das ganze Dorf Kopf; der kapverdische Premierminister und andere politische Größen waren vor Ort, um praktisch und symbolisch die Hebel umzulegen. Ab dann gab es Strom rund um die Uhr, die neue Gesundheitsstation und der Sitz der Fischervereinigung wurde eingeweiht, und der Grundstein zum Ausbau der Straße wurde gelegt. Ich war zufällig ein Zeitzeuge dieser wichtigen Vorkommnisse.

Annette: Gab es in Deiner Zeit in Tarrafal besondere Erlebnisse?

Martin: Die persönlichen Begegnungen mit den Patienten, und wie herzlich ich überall begrüßt wurde. Ich denke an eine alte Dame, die mich herzlich umarmt und sich bei mir ganz bescheiden bedankt hat; ein Gänsehaut-Moment...

Annette: Gab es ernüchternde Eindrücke oder Vorkommnisse?

Martin: Ich würde nicht ernüchternd sagen, sondern eher bestätigend. Der Grogue (Zuckerrohrschnaps) ist ein Problem, das sieht man oft und immer wieder. Das galt sowohl für die Sprechstunde, als auch beim Gang durch´s Dorf. Es gibt eine ganze Reihe schwere Alkoholiker, aber es gibt andererseits auch viele, die damit von heute auf morgen einfach aufgehört haben.

Annette: Hat Dein Arbeitsbesuch in Tarrafal etwas gebracht?

Martin: Ja. Ich kenne jetzt die Situation vor Ort und kann die Lage besser einschätzen. Um die medizinische Versorgung sinnvoll und nachhaltig zu verbessern, dürfen wir nicht aus der Entfernung etwas überstülpen, was gar nicht gebraucht wird. Um das System zu verbessern, muß es zweckmäßig wachsen. Erst einmal muß der Standard erhalten werden, beispielsweise die Versorgung mit Medikamenten, und Aufklärungsarbeit erscheint mir auch sehr wichtig. Dafür ist es allerdings sehr wichtig, die Sprache besser zu sprechen als ich es bisher tue.

Annette: Kommt Deines Erachtens jeder Mediziner, der in Tarrafal arbeiten möchte, zurecht? Worauf muß man sich gefasst machen?

Martin: Wir sind hier in Afrika, das muß man sich immer wieder klarmachen, und durch die isolierte Lage ist alles komplett anders als sonstwo. Und man ist sehr nah dran an den Menschen, sogar mitten unter ihnen, und muß gut auf Leute zugehen können. Wenn man Portugiesisch oder eine verwandte Sprache kann, ist es ein großer Vorteil.

Annette: Würdest Du diese Aktion noch einmal machen?

Martin: Ja. Ich werde wiederkommen.

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Ambitech, Lda

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Ambitech, Lda widmet sich der Wiederverwertung von Tinten- und Tonerpatronen für Drucker, Faxgeräte und Fotokopierer.

Darüber hinaus bieten wir: Reparatur von Informatik-Zubehör, technische Assistenz, Erstellen von Websites, Verkauf und Assistenz von/für Computerprogrammen und -zubehör. Diese Website wurde für DaM von Ambitech, Lda. entworfen.

 

Mar Tranquilidade

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Das Gästehaus Mar Tranquilidade in Tarrafal de Monte Trigo eröffnete im Oktober 1999.

Es liegt direkt am Atlantik, und der abendliche "sundowner" mit Blick auf den Sonnenuntergang ist legendär. Gemütliche Bungalows mit Strohdach und schattige Terrassen unter Akazien laden zum Entspannen und Erholen ein. Das Mar Tranquilidade beteiligte sich an den Reisekosten zur Erstellung der Studie zu den akuten Notwendigkeiten der Bewohner Tarrafals, und gewährte Rabatte für Mitstreiter von DaM.

 

Jeanine Vahldiek Band

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Jeanine Vahldiek und Steffen Haß sind die „Jeanine Vahldiek Band“.

Ihre Musik, die von Jeanines 2,10 m hoher Konzertharfe, und Steffens vielfältigen percussion-Instrumenten geprägt ist, kann man live im Konzert, im Internet, oder auf CD´s anhören. Mit der im Dezember 2014 veröffentlichten 3. CD „Blank Canvas“ und ihrer 4. CD "no hardship" unterstützen sie DaM – mit 1 € von jeder verkauften CD!

Cooperações

Smiles

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AMPri

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AMPri bietet seinen Kunden seit über 20 Jahren über 500 verschiedene Einwegprodukte wie Einmalhandschuhe,

Mundschutz, Kopfhauben, medizinische Einmalartikel, u.v.m für die Bereiche Medizin, Dental, Hygiene, Pflege, Gastronomie, Kosmetik und Arbeitsschutz. Für den Einsatz des Zahnärzteteams von SMILE auf Santo Antão im August 2016 und im August 2017 stellte AMPri die benötigten Einmal-Untersuchungshandschuhe kostenlos zur Verfügung.

 

Aventura

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Seit 2004 bietet die aventura lda. als Vor-Ort-Agentur auf den kapverdischen Inseln touristische Aktivitäten an,

entwickelt und fördert den Tourismus auf den Inseln. Unsere Philosophie basiert auf der Idee des nachhaltigen Tourismus. Wir möchten das Land und vor allem die Menschen darin unterstützen, sich eine Zukunft durch den Tourismus zu gestalten. aventura lda. beteiligte sich an den Reisekosten zur Erstellung der Studie zu den akuten Notwendigkeiten der Bewohner Tarrafals, und hilft bei der Suche nach Flugpaten für gespendete Laptops.

Sodade

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